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Das Dokfest-Archiv beinhaltet Online-Programminformationen ab dem 12. Kasseler Dokfest

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Preisträger 2009

Goldener Schlüssel
Der Goldene Schlüssel 2009 geht an Human von Thomas A. Østbye.

Die Bewertung der Jury:
Ich, du, er, sie  - Wer bin ich, was ist ein Mensch? Wie fühlt es sich an, einen Milchzahn zu verlieren? Haben Taubstumme beim Sex das Licht an oder aus? Lauter existentielle Fragen, auf die wir gerne eine Antwort hätten.

Antworten gibt dieser Film keine, vielmehr konfrontiert er den Zuschauer in einem radikalen ästhetischen Konzept mit Menschenbildern, befreit von Wertungen und Klischees. Die Jury hat an dem Film „Human" von Thomas Østbye gleichermaßen die Lust an analytischen und visuellen Entwürfen überzeugt. Dieser Film inspiriert uns alle weit über den Film hinaus, sich den elementaren Fragen des Menschseins zu stellen.

Eine lobende Erwähnung wurde für die Arbeit Die Kinder vom Friedrichshof von Julia Großheim ausgesprochen.

Die Bewertung der Jury:
Mit großer Präzision und Sorgfalt eröffnet die Regisseurin einen tiefen Einblick in die Kommune von Friedrichshof anhand der Schicksale der 2. Generation.

Die Jury ist beeindruckt von der Souveränität, mit der der Film den Zuschauer mit auf die Reise nimmt - von der Vergangenheit in die Gegenwart seiner Protagonisten. Mit großer Sensibilität nähert er sich den von einem gesellschaftlichen Experiment geprägten Biografien.

Die Jury:
Mario Hirasaka
Cornelia Klauss
Irit Neidhardt
Gudrun Sommer
Daniel Sponsel

 

Goldener Herkules
Der Goldene Herkules 2009 geht an Verborgen in Schnuttenbach von Thomas Majewski.

Die Bewertung der Jury:
Regisseur Thomas Majewski erinnert, schont sich nicht und schont uns nicht. Er nimmt uns mit in den Ort seiner Kindheit, das 4.000 Seelendorf Schnuttenbach in Bayern. Während des Zweiten Weltkrieges trafen hier holländische und französische Zwangsarbeiter und deutsche Bewohner aufeinander. Dabei wurden deren persönliche Lebensgeschichten für alle Zeiten miteinander verknüpft. Dank Majewskis Neugier lernen wir einige dieser Menschen und Schicksale kennen - mal heiter, mal schwer, aber immer vorurteilsfrei.

Majewski bringt seine Protagonisten aktiv zusammen, in dem er die ehemaligen Zwangsarbeiter erneut nach Schnuttenbach holt. Er beobachtet, wie die Kontakte sich auch nach über 60 Jahren weiterentwickeln. Der Betrachter ist beeindruckt, was alles passieren kann, wenn man einen Menschen einfach mal fragt, wie es damals war. Und diese Menschen sind noch nie danach gefragt worden.

Der Film nutzt nur wenige Bilder aus der Vergangenheit, und trotzdem schafft er es, über die gesamte Länge einen Parallelfilm im Kopf der Zuschauer zu installieren, der in eben dieser Vergangenheit spielt. Die Kameraarbeit lässt uns dabei durch ruhige Einstellungen die Zeit, sich auf das Geschehen einzustellen. Der Film hat eine Intensität und emotionale Kraft, die über das Gesehene hinausgehen.

Eine lobende Erwähnung erhält der Animationsfilm You Are My Hero von Tobias Bilgeri.

Die Bewertung der Jury:
Die Gemahlin wähnt ihren Rittersmann auf dem Schlachtfeld. Er hält währenddessen ein Schäferständchen im Nachbarturm ab. Um zu beweisen, dass er sein Burgfräulein verteidigt hat, tränkt er sein Schwert mit Tomatensaft. Als sie dahinter kommt, handelt sie frei nach Morgenstern: Also schließt sie messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf und verhilft ihrem Ritter doch noch auf einen finalen Auftritt auf dem Schlachtfeld.

Der digital produzierte Kurzfilm orientiert sich ästhetisch an der Ikonenmalerei des 14. Jahrhunderts - goldene Hintergründe, flächige Gewänder und falsche Zentralperspektive inklusive. Ruhig erzählt, dabei durch die Optik und Farben sehr intensiv und kontrastreich, mit einer betörenden Erzählerin und einer zeitlosen Geschichte so alt wie Liebe und Betrug, überzeugt die Arbeit durch ein stimmiges und hochwertiges Gesamtgefüge, das ein wissendes Schmunzeln auf das Gesicht des Zuschauers zaubert.

Die Jury:
Clemens Camphausen
Bettina Fraschke
Thorsten Peters
Leyla Postalcioglu
Nico Sommer

 

A38 – Produktions-Stipendium Kassel-Halle
Das A38 – Produktions-Stipendium Kassel-Halle gewinnt Leavenworth, WA von Hannes Lang.

Die Bewertung der Jury:
Die Dokumentation beschreibt eine amerikanische Kleinstadt, die „auf Bayern getrimmt" ist: Man kopiert bayerisches Brauchtum, trägt Dirndl und Krachlederne und tanzt zu Blasmusik unterm Maibaum. Hannes Langs Diplomfilm ist ästhetisch überzeugend. In langen Totalen und ruhigen Kamerafahrten inszenieren sich die Bewohner wie auf Postkarten. Lang zeigt in seiner Dokumentation die Kommerzialisierung von Kultur, beobachtet dabei aber mit Distanz. Einer Distanz, die unterschiedliche Interpretationen zulässt.

Die Jury:
Christine Messerschmidt
Annette Schrieffers
Desirée Seizinger
Peter Zorn
Pim Zwier

 

Golden Cube
Den Golden Cube 2009 für die beste Installation der Ausstellung Monitoring geht an Sophie Ernst für ihre Arbeit HOME.

Die Bewertung der Jury:
Die Jury hatte die schwierige Aufgabe, Arbeiten von KünstlerInnen in sehr verschiedenen Stadien ihrer Karriere zu beurteilen. Deshalb hat sich die Jury für eine künstlerische Position entschieden, die in der Kunstwelt und für das große Publikum eine Neuentdeckung ist. Wir hoffen, dass dieser Preis zu der künstlerischen Entwicklung beiträgt.

Wir haben uns für eine Installation entschieden, die sich auf verschiedenen Ebenen mit Themen wie Erinnerung, persönlicher Geschichte und aktuellen politischen und sozialen Phänomenen auseinander setzt. Diese werden in eine raumgreifende, multidisziplinäre Arbeit übersetzt, die Elemente wie Zeichnungen, Architekturmodelle, Projektionen und Interviews verbindet. Die Arbeit „Home" von Sophie Ernst überzeugte durch die differenzierte und gleichzeitig subtile Umsetzung individueller Geschichten und mündlicher Erinnerung in Bezug auf Architektur und der ambivalenten Bedeutung des Begriffes „Home".

Der Betrachter wird eingeladen, sich zu den verschiedenen Geschichten von erzwungener Entwurzelung eigene Zugänge zu schaffen. Der mikropolitische Aspekt der individuellen Erinnerungen von Einzelpersonen, die auf reale und zugleich utopische städtische Landschaften projiziert werden, begeisterte die Jury.

Eine lobende Erwähnung wurde an Ignas Krunglevicius und seine Installation Interrogation ausgesprochen.

Die Bewertung der Jury:
Die lobende Erwähnung gewinnt eine Arbeit, die mit einfachen grafischen und akustischen Mitteln eine unmittelbare physische Wirkung auf den Betrachter auswirkt und ihn durch seinen repetetiven Soundtrack in den Bann zieht. Diese Arbeit ist von Ignas Krunglevicius und hat den Titel Interrogation.

Die Jury:
Alain Bieber
Wolfgang Jung
Eva Scharrer
Stefanos Tsivopoulos
Theus Zwakhals